Islamfeindlichkeit – wenn religiöse Freiheit zur Mutprobe wird

Religionsfreiheit ist in Artikel 4 Absatz 1 & 2 in unserem Grundgesetz verankert. Die genaue Formulierung lautet: (1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. (2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet. Solange man in Deutschland dem Christentum angehört, scheint dies auch kein Problem zu sein. Problematisch wird es erst dann, wenn die eigene Religion nicht mehr dem weißen, westeuropäischen Durchschnitt entspricht.

Lass mal besser keine Moschee bauen

Man liest es immer wieder, eine muslimische Gemeinde möchte gerne eine Moschee bauen und bekommt heftigen Gegenwind von Seiten der Anwohner und oftmals auch von Seiten der Stadtverwaltung. Christliche Kirchen gibt es hingegen wie Sand am Meer. So findet man beispielsweise alleine im Stadtgebiet von Stuttgart knapp 100 evangelische Kirchengebäude bzw. Predigtstellen und über 50 katholische Kirchen, die zum katholische Stadtdekanat Stuttgart gehören. Im Gegensatz dazu kommt man gerade mal auf 17 muslimische Gemeinden im Stuttgarter Stadtgebiet.

In den ländlicheren Ecken von Baden-Württemberg wird der Unterschied noch deutlicher sichtbar. Viele Muslime müssen weite Strecken in größere Städte auf sich nehmen, wenn sie eine Moschee besuchen möchten. Kirchen gibt es in so gut wie jedem Dorf.

Angst vor einer Kopfbedeckung

In der Schweiz ist es Lehrerinnen untersagt Kopftuch zu tragen, Schülerinnen ist es hingegen gestattet. In Österreich wurde 2019 ein generelles Verbot von Kopftüchern an Schulen beschlossen. Bei uns in Deutschland wäre ein solches Verbot rechtswidrig, da es dem oben erwähnten Artikel 4 GG widersprechen würde.

Aber warum stört es Menschen überhaupt, dass manche Frauen Kopftuch bzw. ein Hijab tragen? Begründet wird es meist damit, dass es den Hijab tragenden Frauen an Emanzipation fehle. Es fallen Sätze wie: „Bestimmt wird sie von ihrem Mann dazu gezwungen.“ Was dabei aber häufig übersehen wird, ist die Tatsache, dass sich viele Frauen sehr wohl aus eigenem Antrieb und eigener religiöser Überzeugung für das Tragen eines Kopftuches entscheiden. Wenn man diesen Frauen nun die Möglichkeit nimmt, ihr Hijab zu tragen, dann verstößt man nicht nur gegen Artikel 4, sonder nimmt den Frauen auch das Recht der Entscheidung über ihren eigenen Körper. Man macht also genau das, was man ihren muslimischen Männern vorhält.

Deine Religion macht mir Angst

Menschen neigen häufig dazu, die Religion des Islam direkt in Verbindung mit terroristischen Organisationen wie dem IS und Al-Qaida zu setzten. Natürlich begründen die Terrororganisationen ihr Handeln religiös, aber das haben die Kreuzritter im 10. Jhd auch getan und trotzdem gelten nicht alle Christen auf Grund ihrer Religion als brandschatzende Ungeheuer. Der Terrorismus ist ein Problem und zwar für alle, eben vor allem auch für Muslime und Muslima, die friedlich ihrem Glauben nachgehen.

Wir müssen dringend damit aufhören Menschen auf Grund ihres Glaubens in bestimmte Schubladen zu stecken. Keiner ist auf Grund seiner Religion ein schlechterer oder besserer Mensch. Die Religion wird nur als mittel zum Zweck ausgenutzt und als Begründung für falsches handeln. Wir müssen lernen besser zu unterscheiden und offen auf unsere Mitmenschen zuzugehen.

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