Feminismus – The Herstory

Oft sehen mich Menschen (vor allem Männer) mir großen Fragezeichen in den Augen an, wenn ich sage, dass ich Feministin bin. Manchmal sind es auch wütende oder ängstliche Blicke.

Viele Menschen verstehen Feminismus auch im 21. Jahrhundert noch nicht richtig. Ich höre häufig Sätze, wie „Du hasst also alle Männer.“ oder „Du willst, Männer entmachten und Frauen alle Macht geben.“ oder „Du stehst also auf Frauen.“. Ich habe keine Ahnung, was Feministin zu sein mit meiner sexuellen Orientierung zu tun haben soll. Was ich aber weiß ist, dass diese Menschen einfach keine Ahnung haben, wie Feminismus funktioniert oder wie dieser entstanden ist. Und vor allem haben die meisten keine Ahnung, warum wir ihn auch heute immer noch bitter nötig haben. Das betrifft nicht nur uns Frauen, das gilt für jeden einzelnen Menschen überall auf der Welt.

Vive la Révolution

Zum ersten Mal, dass man von Feminismus sprechen kann war bereits im 18. Jahrhundert. Im Rahmen der Frauenbewegung, die sich während der französischen Revolution formierte. Diese Bewegung ergab sich aus dem Leitbild der Revolution von der Gleichheit aller Menschen und dem Wunsch nach Aufklärung.

1791 verfasste die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“, sie stellte einen Aufruf an alle Frauen dar, Hürden zu überwinden und für die eigenen Rechte zu kämpfen.

Nach der Revolution (1848/49) wurde Frauen verboten politisch aktiv zu sein und das Recht auf Versammlung wurde ihnen ebenfalls entzogen.

In Deutschland wurden Frauen 1865 zum ersten Mal richtig aktiv, als sie den Allgemeinen Deutschen Frauenverein gründeten. Dieser hatte das Ziel Frauen und deren Berufstätigkeit zu fördern. Der Verein forderte ein Recht auf Arbeit, gleichen Lohn für gleiche Arbeit und die Einrichtung von Industrie- und Handelsschulen für Mädchen.

1896 waren Heidelberg und Freiburg die ersten Hochschulen, die weibliche Studentinnen zuließen. So entstanden auch ganz neue Forschungsfelder. Ein Beispiel ist die Soziale Arbeit, die von Alice Salomon als Forschungsfeld ins Leben gerufen wurde.

Neue Feiertage und erste politische Änderungen

Im Jahr 1911 wurde der erste international Frauentag begangen. Die UN legte hierfür den 8. März fest. Seit 2019 ist der Weltfrauentag in Berlin sogar ein gesetzlicher Feiertag.

Während der Weimarer Verfassung errungen Frauen einen enormen Sieg auf politischer Ebene. Im Jahr 1918 wurde Frauen das Wahlrecht eingeräumt. Als sie im Januar 1919 zum ersten Mal wählen durften, lag die Wahlbeteiligung der Frauen bei 90 Prozent und die weiblichen Abgeordneten konnten 10 Prozent der Parlamentssitze für sich gewinnen.

Das Ende der ersten Welle der Frauenbewegung

Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland, fand die Frauenbewegung ein jähes Ende. Viele der erkämpften Rechte wurden den Frauen wieder abgesprochen. Bewegungen wurden zwangsaufgelöst oder verboten. Beruflich wurden Frauen auch wieder stärker eingeschränkt, da man im Nationalsozialismus das Bild der Hausfrau und Mutter pflegte.

Die zweite Welle

In den 1960er formierte sich eine neue Gruppe von Feministinnen in Deutschland. Sie forderten mehr Mitsprache in der Politik, Recht auf Selbstbestimmung, wollten bessere Chancen auf gute Arbeitsplätze für Frauen und die Abschaffung von Paragraf 218, der Schwangerschaftsabbrüche verbot.

In den folgenden Jahren änderte sich einiges für Frauen. 1961 wurde zum ersten mal eine Frau Bundesministerin. 1977 wurde das Gesetzt gekippt, das Frauen dazu verpflichtete sich um den Haushalt zu kümmern. Drei Jahre später wurde das Gesetzt zur Gleichbehandlung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz verabschiedet. In den 1980ern formierte sich eine Gruppe schwarzer Frauen, die für Empowerment kämpften, also Stärkung von Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung und Selbstorganisation Schwarzer Frauen in Deutschland. 1997 wird schließlich Vergewaltigung in der Ehe strafbar.

Feminismus in der Neuzeit

Auch im 21. Jahrhundert hat sich noch viel in der feministischen Bewegung getan. Ein wichtiges Anliegen der Bewegung war die Anerkennung der Gleichgeschlechtlichen Ehe. 2001 gelang ein Durchbruch, als das Lebenspartnerschaftsgesetz eingeführt wurde. 2002 folgte das Prostitutionsgesetz, das Sexarbeiter*Innen zu mehr Rechten und stabileren wirtschaftlichen Bedingungen verhalf.

Im Jahr 2005 wurde in Deutschland zum ersten Mal, mit Angela Merkel, eine Frau Bundeskanzlerin.

2013 wird mit dem #aufschrei Alltagssexismus im Netz diskutier, 2017 folgt die #metoo Debatte Rund um den Filmproduzenten Harvey Weinstein.

Es gibt noch viel zu tun

Frauen werden immer noch auf der Straße belästigt, Alltagssexismus ist immer noch ein Problem. Frauen verdienen immer noch schlechter als Männer, was oft auch daran liegt, dass Frauen häufiger in sozialen Berufen arbeiten, die immer noch stark unterbezahlt werden. Menschen werden immer noch auf Grund ihrer Religion, Hautfarbe, Herkunft, Sexualität oder geschlechtlichen Identität diskriminiert.

Es ist immer noch eine weite Reise, bis alle Menschen endlich die gleichen Rechte genießen und bis wir da angekommen sind, werden wir den Feminismus weiter brauchen.

Falls ihr auch eine Story habt, die ihr gerne erzählen wollt, freuen wir uns auf eine Nachricht von euch.

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